Vorwurf der Körperverletzung
Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung entstehen häufig aus dynamischen Alltagssituationen oder Konflikten.
In dieser Situation gilt: Machen Sie gegenüber der Polizei keine Angaben zur Sache.
Vorwürfe & Tatbestände
Wir vertreten Sie unter anderem bei:
- Einfacher Körperverletzung (§ 223 StGB): Die Verfolgung erfordert in der Regel einen Strafantrag oder das besondere öffentliche Interesse der Staatsanwaltschaft.
- Gefährlicher Körperverletzung (§ 224 StGB): Sie liegt vor, wenn die Tat begangen wird
- durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
- mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,
- mittels eines hinterlistigen Überfalls,
- mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder
- mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung.
- Fahrlässiger Körperverletzung (§ 229 StGB)
- Schwerer Körperverletzung (§ 226 StGB): Vorwürfe bei dauerhaften gesundheitlichen Folgeschäden.
Strafrahmen und Abgrenzung
Die einfache Körperverletzung (§ 223 StGB) reicht von der Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Bei der gefährlichen Körperverletzung (§ 224 StGB) beträgt der Strafrahmen sechs Monate bis zehn Jahre, in minder schweren Fällen drei Monate bis fünf Jahre. Die schwere Körperverletzung (§ 226 StGB) setzt dauerhafte Folgen voraus, etwa den Verlust des Sehvermögens oder eine erhebliche dauernde Entstellung. Die Freiheitsstrafe beträgt ein Jahr bis zu zehn Jahren. Die fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB) kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.
Ob eine Tat als einfache oder gefährliche Körperverletzung eingestuft wird, entscheidet sich oft an Details: War ein Gegenstand beteiligt? Handelten mehrere Personen gemeinschaftlich? Solche Fragen klären wir anhand der Akte. Bei Auseinandersetzungen mehrerer Beteiligter steht oft im Raum, ob die Tat gemeinschaftlich begangen wurde (§ 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB). Dafür muss geklärt werden, wer was getan hat.
In der Praxis spielen vor allem zwei Merkmale eine Rolle. Ein gefährliches Werkzeug (Nr. 2) ist jeder Gegenstand, der so eingesetzt wird, dass er erhebliche Verletzungen verursachen kann, etwa eine Flasche, ein Glas oder ein Schlüssel. Es kommt darauf an, wie der Gegenstand benutzt wurde.
Eine das Leben gefährdende Behandlung (Nr. 5) liegt schon vor, wenn die Handlung nach den Umständen geeignet war, das Leben zu gefährden. Dass tatsächlich Lebensgefahr bestand, ist nicht nötig. Der Maßstab ist damit nicht hoch. Typische Fälle sind Würgen sowie Schläge oder Tritte gegen den Kopf. Das Gericht holt dazu häufig ein rechtsmedizinisches Gutachten ein. Wir werten das Gutachten aus und prüfen, ob die festgestellten Verletzungen den Schluss auf eine abstrakte Lebensgefahr tatsächlich tragen.
Häufige Konstellationen und Verteidigungsansätze
- Notwehr und Nothilfe (§ 32 StGB): Wer sich oder andere gegen einen Angriff verteidigt, handelt unter Umständen nicht rechtswidrig. Bei Auseinandersetzungen ist oft strittig, wer angefangen hat und ob die Reaktion erforderlich war.
- Aussage gegen Aussage: Viele Verfahren beruhen auf widersprüchlichen Schilderungen. Polizei und Staatsanwaltschaft bewerten die Angaben von Anzeigenden durchaus kritisch, und manche Verfahren enden, weil eine Aussage nicht glaubhaft erscheint. Wir kennen die Kriterien, nach denen die Glaubhaftigkeit einer Aussage beurteilt wird, zum Beispiel Stimmigkeit, Detailreichtum, Entstehungsgeschichte und mögliche Motive. Wir stellen die Angaben der anzeigenden Person den übrigen Beweisen gegenüber, prüfen sie auf Widersprüche und fassen das Ergebnis in einer begründeten Stellungnahme zusammen.
- Verletzungsdokumentation: Atteste, Fotos und ärztliche Berichte zeigen, wie die Verletzung entstanden sein kann. Nicht jede Verletzung passt zum geschilderten Hergang.
- Einstellung und Ausgleich: Ein Täter-Opfer-Ausgleich (§ 46a StGB) oder eine Einstellung nach § 153a StPO gegen Auflage kann das Verfahren ohne Urteil beenden. Ob das sinnvoll ist, besprechen wir nach Akteneinsicht.
Videoaufnahmen und digitale Beweise
Bei Körperverletzungsvorwürfen gibt es heute häufig Aufnahmen: Handyvideos von Umstehenden, Überwachungskameras, Bodycams oder Chatverläufe. Solche Beweise wirken eindeutig, sind es aber oft nicht. Ein Ausschnitt zeigt selten, was davor geschah, und Blickwinkel, Bildqualität und Schnitt können täuschen. Wir sichten die Aufnahmen vollständig und im Original, nicht nur als Standbilder, und prüfen, ob die Person darauf sicher zu erkennen ist und ob die Aufnahme verwertet werden darf. Erst danach entscheidet sich, ob eine Stellungnahme sinnvoll ist.
Unser Vorgehen nach Mandatierung
Sobald Sie uns beauftragen, übernehmen wir umgehend die Vertretung:
- Übernahme der Kommunikation: Wir zeigen Ihre Vertretung an, sagen polizeiliche Vorladungstermine ab und führen sämtliche Korrespondenz.
- Akteneinsicht: Wir beantragen umgehend vollständige Akteneinsicht zur Prüfung von Zeugenaussagen, Verletzungsdokumentationen und Ermittlungsergebnissen.
- Verteidigungsstrategie: Auf Basis der Aktenlage erarbeiten wir die geeignete Strategie – von der Einstellung des Verfahrens über den Täter-Opfer-Ausgleich bis hin zum Freispruch vor Gericht.
Häufige Fragen
Muss ich zur Polizei gehen, wenn ich angezeigt wurde?
Einer Ladung der Polizei müssen Sie als Beschuldigter nicht folgen, es sei denn, sie ergeht im Auftrag der Staatsanwaltschaft (§ 163a Abs. 3 StPO). Angaben zur Sache müssen Sie nie machen. Wie Sie mit der Ladung umgehen, lesen Sie auf unserer Seite zur polizeilichen Vorladung. Melden Sie sich zuerst bei uns.
Kann ich mich auf Notwehr berufen?
Notwehr rechtfertigt die erforderliche Verteidigung gegen einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff (§ 32 StGB). Ob Ihr Verhalten erforderlich war und wie es abgelaufen ist, wird im Einzelfall geprüft. Gerade bei Streit und Schlägereien spielt das eine große Rolle.
Es gibt ein Video von dem Vorfall. Was soll ich tun?
Äußern Sie sich weder gegenüber der Polizei noch im Netz zu dem Vorfall, und teilen Sie die Aufnahme nicht. Löschen Sie nichts, auch nicht Ihre eigenen Aufnahmen oder Nachrichten, das kann als Vertuschung gewertet werden. Wenden Sie sich zuerst an uns. Wir beantragen Akteneinsicht auch in die Videodateien und prüfen, was sie tatsächlich zeigen.
Die Polizei hat mein Handy oder meinen Computer beschlagnahmt. Was soll ich tun?
Geben Sie weder PIN noch Passwörter heraus und machen Sie keine Angaben zur Sache. Zur Mitwirkung sind Sie als Beschuldigter nicht verpflichtet. Löschen Sie nichts, auch nicht auf anderen Geräten oder in der Cloud. Rufen Sie uns zuerst an.
Welche Strafe droht bei Körperverletzung?
Die einfache Körperverletzung (§ 223 StGB) wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft. Bei gefährlicher Körperverletzung (§ 224 StGB) liegt der Strafrahmen bei sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Die tatsächliche Strafe hängt vom Einzelfall ab.
Sie haben eine Vorladung, einen Strafbefehl oder eine Anklage erhalten?
Machen Sie keine Angaben zur Sache und vereinbaren Sie einen Termin für eine Erstberatung. Wir wahren Ihre Rechte von Beginn an.
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